Raumfahrt in Deutschland – Die Raumfahrt

Raumfahrt in Deutschland

Wirtschaftsfaktor Raumfahrt

„Raumfahrt ist nicht Science-Fiction, sondern Tagesgeschäft – und das längst nicht nur für Raumfahrtunternehmen, sondern für die gesamte Wirtschaft“, sagt OHB-Chef Marco Fuchs. Das Bremer Unternehmen ist federführend beim Bau des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo und bei Entwicklung und Bau der dritten Generation der geostationären Meteosat-Wettersatelliten, kurz MTG. Vom Tourismus, über die Baubranche bis hin zur Landwirtschaft, dem Schiffs- und Flugverkehr und den internationalen Finanzmärkten, sie alle verlassen sich auf Satellitendaten aus dem Orbit. Sei es, um richtig auf widriges Wetter vorbereitet zu sein, oder um ihre Fahrzeuge und Datenströme zu steuern. Wenn etwa globale Navigationssysteme plötzlich nicht mehr funktionieren würden, hätte dies gravierende Folgen für die gesamte Wirtschaft und Infrastruktur.

Und die Raumfahrt selbst boomt. Weltweit die Nachfrage nach neuen Raumfahrttechnologien, sei es Satelliten, Nutzlasten oder die Möglichkeit, sie sicher ins All zu bringen. Der Bedarf an Daten, digitalen Diensten und Konnektivität steigt stetig. Die Investitionen auch – nicht nur in den klassischen Raumfahrtnationen, sondern in Ländern, die bisher kaum Raumfahrt betrieben haben und in der Privatwirtschaft. New Space – neue Raumfahrtunternehmen mit dem Ziel, das Weltall kommerziell zu nutzen – entstehen überall auf der Welt, auch in Deutschland. Es herrscht Aufbruchsstimmung: Felder werden abgesteckt, Zukunftsmärkte besetzt.

Es ist gut, wenn der Markt durch private Unternehmen größer wird.

Thomas Jarzombek (CDU) Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung

„Es ist gut, wenn der Markt durch private Unternehmen größer wird“, sagt Thomas Jarzombek (CDU), Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung. Bislang gibt es in Deutschland jedoch keinen klar definierten rechtlichen Rahmen, der zum Beispiel regelt, wer haftet, wenn im Orbit ein Satellit den anderen beschädigt. Das sogenannte Weltraumgesetz soll Haftungs- und Versicherungspflichten für alle Firmen, die im All tätig sind, regeln und so mehr Planungssicherheit schaffen. Inzwischen ist Deutschland eines der wenigen Länder ohne ein derartiges Gesetz.

Die Bundesregierung wolle das 2020 in Angriff nehmen, so Jarzombek. Zwar könne man den Unternehmen das Risiko nicht komplett abnehmen, Ziel sei aber, „dass unsere Regeln nicht schlechter sind als die anderer europäischer Länder.“ Die Bundesregierung unterstützt die deutsche Raumfahrt über das Nationale Programm für Weltraum und Innovation und mit ihren Beiträgen an die Europäische Raumfahrtagentur. Die ESA arbeitet nach dem Prinzip des „geographic return“ – sie vergibt also im Gegenzug Aufträge an die deutsche Raumfahrtindustrie, die in etwa so hoch dotiert sind wie die gezahlten Beiträge.

Die Regierung sichert so nicht nur deutsche Arbeitsplätze und technologische Expertise in der Raumfahrtindustrie, sondern stärkt die gesamte Wirtschaft. Sie stellt sich damit den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit: Umwelt- und Klimaschutz oder eine nachhaltige Landwirtschaft lassen sich nur mit Hilfe der Raumfahrt bewältigen. So liefern in Deutschland entwickelte und gebaute Erdbeobachtungssatelliten um Beispiel die notwendigen Informationen über den Zustand der Atmosphäre und unserer Erde und schaffen so, die Möglichkeit für Wirtschaft und Gesellschaft, sich vorzubereiten und gegenzusteuern.

Neue Chancen durch Raumfahrtdaten

Überall in Deutschland und in ganz Europa nutzen immer mehr kleine und mittelständische Firmen die frei verfügbaren Daten und Dienste des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Von Anwendungen für smarte Landwirtschaft bis hin zu einer Datenanalyse-Plattform durch die Lieferanten und Dienstleister den Fortschritt von Bauprojekten überall auf der Welt verfolgen können.

Die ESA schätzt, dass allein Copernicus in den nächsten 20 Jahren einen Mehrwert von bis zu 191 Billionen Euro für die europäische Wirtschaft schaffen wird. Schon jetzt sind nutzen viele Bauern in Deutschland ganz selbstverständlich die Daten der Copernicus-Satelliten, um nachhaltiger zu wirtschaften – und ihre Erträge zu erhöhen.

Sicherheitspolitisch spielt die Raumfahrt ebenfalls eine große Rolle. Da sie allen Staaten der EU gemeinsam gehört, kann etwa die zivile Galileo-Satellitennavigationskonstellation im Konfliktfall nicht einfach abgeschaltet werden – so wie das Global Positioning System (GPS), das dem US-Militär untersteht. Und die Ariane Trägerraketen, die zum Teil in Deutschland gebaut und entwickelt werden sichern Europa einen unabhängigen Zugang zum All. Das wird für die Souveränität von Staaten immer wichtiger.

Diesen Herbst, am 27. und 28. November, sollte daher nicht nur die deutsche Raumfahrtindustrie nach Sevilla blicken, wo die Mitgliedsstaaten der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) auf der Ministerratskonferenz den Grundstein für die nächste Generation von Raumfahrtprojekten legen wird, sondern wir alle.

Projekte und Missionen

Projekte und Missionen

Die Raumfahrt ist keine Industrie wie jede andere: Ohne ihre digitalen Services, die Innovationen und kreativen Impulse wäre Deutschlands Wirtschaft nicht wettbewerbsfähig. Gleichzeitig steigt weltweit die Nachfrage nach neuen Weltraumanwendungen, Satelliten, Nutzlasten und der Möglichkeit, sie sicher ins All zu bringen. Die deutsche Raumfahrtindustrie ist hier überall führend dabei.

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